Presseinformation: 10 Jahre Mieterstrom

Köln – Erneuerbare Energien und Energiewende in Deutschland – in erster Linie kam einem in den letzten 25 Jahren hier die Photovoltaik in den Sinn. Die Energiewende in Deutschland war zugleich lange eine der privaten Eigentümer in klassischen Einfamilienhäusern. Mieter, besonders in Mehrfamilienhäusern, waren lange Zeit von einem eigenen Anteil an der Energiewende, speziell mit Photovoltaik, ausgeschlossen. Das hat sich spätestens mit dem Produkt Mieterstrom geändert. Trotz politisch forcierter Alternativen bleibt dieses in der Energiewelt weiterhin oft erste Wahl.

Das liegt mit daran, dass das Konzept mittlerweile wirtschaftlich gut kalkulierbar ist. „Demgegenüber müssen sich jüngere Ansätze wie Gemeinschaftliche Gebäudeversorgung oder Energy Sharing noch das Vertrauen der Branchenakteure wie potenzieller Kundinnen und Kunden erarbeiten“, ist Christoph Landeck, Abteilungsleiter EDL & Innovationen bei der ASEW, überzeugt. „Eine der entscheidenden Hürden für neue Ansätze ist hier letztlich auch, dass der PV-Ausbau auf oder an Mehrfamilienhäusern besonders herausfordernd ist. Das liegt an der Eigentümer- und Nutzerstruktur, die häufig mit Eigentümergemeinschaften, Selbstnutzern, Vermietern und Mietern komplex ist. Das heißt auch: Entscheidungen lassen mitunter lange auf sich warten.“

Wo aber liegen aktuell die großen Herausforderungen im Geschäftsfeld? Das Thema Kundenanlage ist nach zwei einschlägigen Gerichtsurteilen weiterhin ein Unsicherheitsfaktor. Daran hat auch die letzte Anpassung des Energiewirtschaftsgesetzes nicht viel verändert. Aus dem ASEW-Netzwerk meldeten einige Stadtwerke, dass diese unsichere Rechtslage zu Anpassungen der eigenen Mieterstromaktivitäten führte. Die meisten Stadtwerke im Netzwerk gehen jedoch erst einmal weiter vor wie bisher. Die Gemeinschaftliche Gebäudeversorgung (GGV) krankt aktuell an Engpässen bei den Verteilnetzbetreibern und nicht vorhandenen einheitlichen Standards im Bereich Messung und Datenkommunikation. Auf dieser Ebene sind die Prozesse komplex.

„Aus Stadtwerkesicht bleibt klassischer Mieterstrom das weiterhin attraktivere Modell“, ordnet Landeck die aktuelle Marktlage ein. „Dem steht indes eine steigende Nachfrage nach entsprechenden GGV-Projekten von Seiten der Wohnungswirtschaft gegenüber.“ Herausforderungen gibt es derzeit bei der Abrechnung von Mieterstrom, der sich auch nach jahrelanger Erfahrung oftmals nicht ohne weiteres und auch nicht einfach in den Stadtwerke-Abrechnungssystemen abbilden lässt.

Eine besondere Herausforderung, deren Auswirkungen sich nun langsam in ihren Dimensionen abzuzeichnen beginnen, ist die bevorstehende Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG). Die bisher bekanntgewordenen geplanten Anpassungen etwa wirken sich insofern auf das Geschäftsfeld Mieterstrom aus, als dass die Einspeisung von vorhandenen Strom-Überschüssen unattraktiv werden könnte. „Für insbesondere kleinere Mieterstromprojekte ohne Speicher bedeutet das gegebenenfalls, dass deren Realisierung oder Weiterbetrieb rein wirtschaftlich keinen Sinn mehr machen könnte.“

Die ASEW unterstützt die Stadtwerkewelt beim Thema – und das kontinuierlich seit über zehn Jahren. In dieser Zeit hat das Stadtwerkenetzwerk seine Expertise im Bereich Mieterstrom stetig auf- und ausgebaut: Am 2. Februar 2016 trafen sich 20 Stadtwerke aus dem Netzwerk der Arbeitsgemeinschaft für sparsame Energie- und Wasserverwendung (ASEW) und gründeten gemeinsam die Projektgemeinschaft Mieterstrom. Ziel des neuen ASEW-Gremiums war die gemeinschaftliche Entwicklung eines praxisnahen Mieterstrom-Musterkonzeptes. Dieses sollte als Grundlage dienen, dass die Hürden für den Einstieg in das Geschäftsmodell für weitere ASEW-Mitglieder deutlich gesenkt wurden.

„Am Ende der ersten Arbeitsperiode der Projektgemeinschaft stand eine erste Mieterstrom-Musterlösung für Stadtwerke, bestehend u.a. aus Musterverträgen, Kalkulationstools und Marketingunterlagen. Die Arbeit der Projektgemeinschaft wurde vom Netzwerk gut angenommen: Allein der ASEW-Workshop Mieterstrom, der die Erkenntnisse aus der Projektgemeinschaft zu den Stadtwerken vor Ort brachte, wurde in den folgenden Jahren fast 200 mal bei ASEW-Mitgliedern durchgeführt.“

Das Thema Mieterstrom bleibt im Netzwerk aktuell. Weiterhin gibt es jedes Jahr mindestens zwei digitale Erfahrungsaustausche zum Thema, die sich mit durchschnittlich 80 Teilnehmern über mangelnden Zuspruch nicht beklagen können. Das zurückliegende Jahr brachte mit dem Branchenaustausch Mieterstrom sogar eine Premiere: Hier vernetzte die ASEW als Ausrichter Stadtwerke mit Dienstleistern und Fachbetrieben. Rund 250 Teilnehmer machten den Branchenaustausch zu einer der bestbesuchten ASEW-Veranstaltungen 2025 überhaupt. Aktuell unterstützt die ASEW das Netzwerk unter anderem mit der Organisation des Branchenaustauschs Mieterstrom 2026 am 1. Juli. Dieser soll nahtlos an den Erfolg des neuen Formats anknüpfen.

Es bleibt weiterhin herausfordernd im Geschäftsfeld. PV wird in der Wohnungswirtschaft zum Standardfall – ob „klassischer“ Mieterstrom auch die Standardvermarktungsvariante ist, bleibt indes noch abzuwarten. Die Stadtwerke werden jedoch weiterhin eine zentrale Rolle bei der Umsetzung spielen – ob als Mieterstrom-Anbieter, Netzbetreiber oder Abrechnungsdienstleister Die ASEW wird das Marktumfeld weiter aufmerksam beobachten, um der Stadtwerkewelt auch künftig bestmögliche Unterstützungsleistungen anbieten zu können.

 

ASEW-Profil
Die Arbeitsgemeinschaft für sparsame Energie- und Wasserverwendung (ASEW) ist mit bundesweit über 390 Mitgliedern das größte deutsche Stadtwerke-Netzwerk für Energieeffizienz, Klimaschutz und erneuerbare Energien. Die ASEW wurde 1989 aus dem Verband kommunaler Unternehmen (VKU) heraus gegründet. Das Ziel: Eine rationelle, sparsame und umweltschonende Energie- und Ressourcenverwendung zu fördern. Die ASEW berät und unterstützt ihre Mitglieder in diesen Bereichen und entwickelt für sie innovative Produkte und Dienstleistungen, die zum Umwelt- und Klimaschutz beitragen. Das Portfolio der ASEW umfasst Produkte für Vertrieb und Kundenberatung, außerdem Seminare und Qualifizierungsangebote sowie eine Kunden- und Fördermittelberatung.

Markus Edlinger
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