Wasserstoff: Benötigte Speicherkapazität zu niedrig geschätzt
Deutschlands Wasserstoffhochlauf könnte an fehlenden Speichern scheitern. Wie eine Studie zeigt, werden für die neue Wasserstoffwirtschaft Speicher in einer Größenordnung benötigt, die mit heutigen Erdgasreserven vergleichbar seien. Allerdings benötigt Wasserstoff für dieselbe Energiemenge mehr Volumen als Erdgas.
Wie die Analyse „Wasserstoffspeicherung im Jahr 2045 als Konsequenz einer grünen Wasserstoffwirtschaft“ des Westfälischen Energieinstituts (WEI) an der Westfälischen Hochschule Gelsenkirchen Bocholt Recklinghausen zeigt, benötige Deutschland künftig Wasserstoffspeicher mit einer Kapazität von etwa 175 bis 315 Terawattstunden.
Dieser Umfang bewegt sich in etwa in einer Größenordnung, die mit heutigen Erdgasreserven vergleichbar ist. Allerdings: Wasserstoff weist eine deutlich geringere volumetrische Energiedichte auf. Das bedeutet, dass für die gleiche Energiemenge erheblich mehr Speichervolumen benötigt wird.
Laut der WEI-Analyse könnte der Bedarf beim Volumen etwa fünfmal so hoch liegen wie im heutigen Erdgassystem. Bestehende Gasspeicher könnten zwar grundsätzlich eine Rolle spielen, reichten aber allein nicht aus, um die künftigen Anforderungen zu erfüllen. Der Ausbau zusätzlicher Speicherkapazitäten werde damit zu einer zentralen Voraussetzung.
Die Speicherfrage gewinnt zusätzliche Bedeutung durch die erwartete Importabhängigkeit. Deutschland wird einen erheblichen Teil seines Wasserstoffbedarfs aus dem Ausland decken müssen. Damit steigen die Anforderungen an die Fähigkeit, große Mengen zwischenzuspeichern und zeitlich flexibel bereitzustellen.
Die Wasserstoffstrategie der Bundesregierung sieht unter anderem vor, Deutschland bis 2030 zum Leitanbieter für Wasserstofftechnologien zu machen, die heimische Elektrolysekapazität bis dato auf zehn Gigawatt zu steigern – aktuell sind es laut dem Energiewirtschaftlichen Institut an der Universität zu Köln 181 Megawatt – und ein 1800 Kilometer umfassendes „Kernnetz“ aufzubauen.